01.06.2020, 19:21   #1

Hobbyfotograf

Wann ist HDR Bearbeitung sinnvoll?
Einige Kommentare zu meinen eingestellten Fotos empgehlen zur Verbesserung eine HDR-Bearbeitung. In einem Fall wurde das sogar für eine Portrait-Aufnahme empfohlen. Ich bin kein großer Fan von dieser Bearbeitungsmethode, deshalb hier mal ein paar Überlegungen dazu (an einer Diskussion dazu bin ich sehr interessiert):

Mit der HDR-Berabeitung (High Dynamic Range) wird der darstellbare Dynamikumfang eines Fotos vergrößert.
Man kann die Dynamik in verschiedenen Größen messen - ich verwende hier "Blendenstufen", weil das für Fotografen am geläufigsten ist.
Welchen Dynamikumfang kann man mit den verschiedenen Medien darstellen/erkennen?
- Moderner Sensor:     15 Blendenstufen
- Menschliches Auge:  13 Blendenstufen (ohne Adaption)
- Farbfilm:                    11 Blendenstufen
- LC-Display                  9 Blendenstufen
- Fotopapier:                 5 Blendenstufen

Fotografiere ich also ein Motiv, das einen Dynamikumfang von 15 Blendenstufen hat, kann ich die zwar in einer RAW-Datei speichern, aber nicht ausgeben. Bei einer "normalen" Belichtung gebe ich jeweils die mittleren Blendenstufen aus; das heißt, dass die 3 hellen Blendenstufen am LC-Display jeweils als zeichnungsloses Weiß widergegeben werden und die 3 dunklen Blendenstufen jeweils als zeichnungsloses Schwarz. Bei einer HDR-Bearbeitung wird der gesamte Dynamikumfang von 15 Stufen so zusammengedrückt, dass er in 9 Stufen (oder für Papierausdrucke in 5 Stufen) darstellbar ist. Dabei geht natürlich ein Teil der Differenzierung innerhalb des Dynamikbereichs verloren: Was von außen zusammen gedrückt wird, wird innen gröber.

Erzeugt man ein HDR-Image aus einer RAW-Datei, entsteht ein Pseudo-HDR. Ein "richtiges" HDR besteht aus mehreren, unterschiedlich belichteten Dateien. Der Dynamikumfang dieser Belichtungsserie ermittelt sich dann aus dem dunkelsten Wert des dunkelsten Fotos bis zum hellsten Wert des hellsten Fotos. Wird diese Serie dann zu einem HDR verrechnet, wir der gesamte Dynamikumfang wiederum auf 9, bzw. 5 Blendenstufen reduziert. Je stärker die Reduktion ist, desto "unwirklicher" sieht das Ergebnis aus (unser Gehirn weiß ja, wie der Dynamikumfang richtig aussehen müsste).

Diese HDR-Berechnung kann man durch einen Algorithmus automatisch berechnen lassen; das klappt je nach Programm und Motiv mal besser, mal schlechter. In den Foren des Clubs werden einige Programme diskutiert.

Man kann die einzelnen Fotos auch als Ebenenstapel in Photoshop ablegen und dann mit Ebenenmasken jeweils die optimal belichteten Stellen der einzelnen Ebenen für das Endergebnis verwenden. Das bildet den o.g. Algorithmus manuell nach; die Einflussmöglichkeiten sind naürlich erheblich größer, der Aufwand allerdings auch.

Ich verwende solch ein echtes HDR ausschließlich für Motive, bei denen eine Verfremdung der Wahrnehmung erwünscht ist. Je mehr der Dynamikumfang gestaucht wird, desto größer ist zwangsläufig die Verfremdung. Und weil die deutlich wahrnehmbar ist, kann man dadurch keine reale Situation vortäuschen. Bei meiner Art zu fotografieren passiert das vielleicht alle paar Jahre mal.

Bei der algorithmischen Berechnung eines Pseudo-HDR sind mir die Einflussmöglichkeiten zu gering. Da verwende ich die Einstellmöglichkeiten Kontrast, Helligkeit, Gradationskurve und Histogramm. Damit ist exakt die gleiche Reduktion des gesamten Dynamikumfangs zu erreichen, aber unter Wahrung aller Einfluss- und Gestaltungsmöglichkeiten.

Und was die mir empfohlene echte HDR-Bearbeitung bei einer Portrait-Aufnahme angeht: Der Portraitierte müsste absolut bewegungslos verharren, bis die Aufnahmereihe abgeschlossen ist - das gilt natürlich auch für die Kamera. Und Sinn macht das ganze nur, wenn das Portrait einen Dynamikumfang von mehr als 15 (!) Blendenstufen hat. Das müssten dann schon sehr leuchtende Augen sein.



  
01.06.2020, 20:18   #2

Hobbyfotograf

Sorry, was ich über HDR weiss reicht wohl nicht aus um da mitreden zu können. Ich kenne lediglich die Bel. REIHE VON MINDESTENS 3 Bildern. Photomatx Pro und seit kurzem Aurora.
Aber manchmal finde ich das angebracht und sieht gut aus, bei entsprechendem Motiv..
Portrait gehört meinerseits nicht dazu
24.09.2020, 09:06   #3

Hobbyfotograf

@Holger Förster

 Moin. Das Problem ist, dass nur ein sehr schmales Feld im HDR gut aussieht. Zu wenig bringt nix und zu viel sieht immer gleich stark übertrieben aus. Ich hab ab und an mal n paar gemacht, weiß wie es geht, das reicht dann aber auch. 😉

Grüße vom Ben

16.03.2021, 02:47   #4
Holger hat das Thema hier sehr ausführlich "belichtet" und hat sicherlich Recht mit seinen Ausführungen. Ich habe früher sehr oft
HDR's angefertigt, die aus Belichtungsreihen mit zum Teil deutlich mehr als drei unterschiedlich belichteten Fotos bestanden. Damals
war ich regelmäßig in Lost Places und maroden Gebäuden unterwegs, wo es sich um teilweise schwierige Lichtverhältnisse handelte.
Da war es zum Teil das einzige Mittel um es zu vernünftigen Fotos zu bringen.
Ich bin mir nicht sicher, ob HDR der Portraitfotografie angebracht ist. Es sind aber durchaus da Belichtungsreihen möglich, die man 
bereits an der Kamera voreinstellen kann. Dann reichen drei kurze Auslöser, natürlich am besten mit dem Stativ. 
Im Endeffekt muss natürlich jeder selber wissen, ob ein HDR (evtl. auch mit Tonemapping) sein Weg ist. Und; auch HDR kann man 
vorsichtig dosieren, so dass es unter Umständen gar nicht auffällt und manchmal ist eine "Übertreibung" dabei auch gewollt und wird
als Stilmittel eingesetzt.
Gruß, Matthias 
06.06.2021, 13:34   #5
Hi, ich benutze HDR meistens für technische Aufnahmen z.B. Maschinen, weil die Details besser rauskommen und der look besser passt, oder bei Fotos deren Dynamikumfang nicht ausreicht..
Bei Portrait sehe ich keinen großen Sinn, zu heavy.
15.06.2021, 12:15   #6

Hobbyfotograf

Wenn man keine Belichtungsreihe hat, kann man Pseudo-HDR Fotos auch aus einer Aufnahme generieren. Die verschiedenen Verfahren werden weiter oben mehrfach beschrieben. Ein sehr einfaches und trotzdem wirkungsvolles Verfahren, das leider nur in Photoshop funktioniert, will ich hier noch nachtragen: Man öffne ein Foto und klicke in der Menüleiste auf Bild > Korrektur > HDR-Tonung dann kann man sich entweder mit den Reglern in verschiedenen Submenüs austoben oder man klickt z.B. auf "Scott5" und staunt ein bisschen. Ob man Pseudo-HDR generell leiden mag ist dann wieder was anderes.