@Klaus Berbig
Hi Klaus,
das sind gleich mehrere Baustellen.
Ja, du hattest da mehrfach Glück, dass Dir da was vor die Nase gekommen ist. Sowas ist aber eben nicht planbar und man hat immer das Problem, dass man die passende Technik nicht schussbereit hat. Auch das Zeug eingeschaltet zu tragen hilft da wenig, wenn die Viecher in 2 Sekunden weg sind. Da hilft nur Locationscouting und Ansitzen. Für den Anfang muss man sich da halt was suchen, was das einfach macht.
Singvögel im Winter an der Fütterungsstelle sind da dankbare Motive. Wenn man sich da noch nen eigenen, hübschen, freigestellten Sitzast hin bastelt kann man mit etwas Geduld richtig geile Aufnahmen machen. Oder im Frühling/Sommer die Brutstätten/Bruthölen. Spechte kann ich da sogar hier mitten in der Stadt am Baum mit der Bruthöhle fotografieren. Da brauchts meistens auch kein Tarnzelt, Hide oder sonstwas. Im Wald brauchts dann ggfs. etwas mehr, falls die natürlichen Verstecke nicht ausreichen. Falls wir mal wieder richtigen Winter haben kann man da im Notfall auch unter nem weissen Bettlaken "verschwinden". Fürn Sommer kann man da auch schon viel mit nem kleinen Tarnnetz oder großen Tarnschal erreichen, unter dem man sich versteckt.
Alternativ gibts auch diverse Locations mit Ansitzhütten, die man kostenfrei oder gegen ne kleine Spende nutzen kann. Der NABU hat da einiges am Start. Kenne ich selbst z.Bsp. aus dem Kattinger Watt oder vom Kranorama in Groß Mohrdorf. Weiterhin findet man an vielen Küstenabschnitten oder Binnenseen an den weniger besuchten Stellen oftmals auch div. Vogelarten, an die man mit etwas Geduld gut rankommt. Dort haben die Viecher meistens mehr Kontakt mit Menschen und sind deshalb weniger scheu. Mein Sandregenpfeifer-Bild hier im Forum ist an so ner Stelle entstanden. Da stecken aber auch zwei Vormittage Zeit drin, bei denen ich stundenlang auf dem Strand gelegen habe und mich bei passenden Gelegenheiten (immer, wenn der Altvogel weggerannt ist, um vermeintliche Fressfeinde vom Nest wegzulocken) ans Motiv heran gerobbt habe. Auch bei solchen Locations führt kein Weg daran vorbei sich mit dem Verhalten der Tierarten auseinander zu setzen, wenn man bisschen näher ran will. 560mm Brennweite (400er + 1.4x TK) waren trotzdem noch notwendig. Bei wenigen Metern (ca. 4-5m) Abstand!
Bleiben noch die Wildparks. Auch wenn Du die nicht magst. Aber dort hat man die Möglichkeit relativ gut zu üben, weil die Viecher doch eher mal vor die Linse laufen. Übrigens auch nicht immer. In nem guten Wildpark können die sich auch verkriechen und du siehst: nix! Einer meiner Favoriten: Das Tierfreigehege in Neuschönau (Bayern). Sommer wie Winter ne lohnenswerte Location. Bilder habe ich leider keine online. Müsste ich endlich mal machen...
BTW: Gleich bei Dir um die Ecke (Geiseltalsee, konkrete Spots gern auf Nachfrage):
https://www.vieledinge.de/2023/06/30/bienenfresser-in-sachsen-anhalt/Da wäre noch das Thema Anfüttern. Oder eher der eigene Anspruch. Auch wenns niemand gern hören will, aber man muss sich einfach klar sein, dass viele der so beeindruckenden Fotos mit Anfüttern oder noch deutlich stärkerer Kontrolle der Location entstanden sind. Es gibt da div. beeindruckende Bilder von Adlern, teilweise beim Kampf ums Futter, wo Dir jeder in der Szene sofort sagen kann, wo genau in Polen der markante Sitzast steht. Ja, das ist Mist. Ja, man muss das nicht gut finden (ich auch nicht). Aber es ist nun mal leider so.
Kommen wir zur Technik: Kurz und knackig: Wildlifefotografie, gerade Vögel, am Besten im Flug oder anderer Action, ist mittlerweile ne Materialschlacht. Die neuen technischen Möglichkeiten machen zwar vieles erst möglich, legen aber eben auch die Messlatte des Machbaren und dessen, was gemacht wird, deutlich höher. Ein Teufelskreis. Mit dem, was Fritze Pölking vor 30 Jahren als High Level abgeliefert hat, würde er heute wahrscheinlich nicht mal mehr die Aufnahme als GDT-Vollmitglied schaffen.
Mit Deinem EF-S55-255mm f/4-5.6 IS II hast Du eigentlich gleich 2 Probleme: Für viele Motive einfach zu wenig Brennweite. Und die Lichtstärke ist auch nicht gerade berauschend. Letzteres kann man mit modernen, rauscharmen Kameras und aktueller Software noch relativ gut kompensieren. Brennweite ist aber durch nichts zu ersetzen. Außer mehr Brennweite. Bei Canon EF wäre da das aktuelle 100-400 eine mögliche Option. Allerdings ist EF so ne Sache. EF ist noch nicht tot, aber es müffelt schon ganz ordentlich. Die Zukunft heißt eindeutig RF. Bei EF kam schon seit Jahren nichts Neues mehr und ich rechne da auch nicht mehr damit. Bei RF gibt es auch ein 100-400, was das EF-Modell wohl in allen Bereichen schlägt. Weiterhin gibts da noch das RF 100-500, was ich auch selbst gern nutze. Geile Linse, auch konvertertauglich. Und ganz neu: Das RF 200-800, was ich selbst leider noch nicht testen konnte, aber für den relativ günstigen Einstieg in die Tierfotografie für ne geniale Linse halte. Die großen, weissen, lichtstarken Tüten lasse ich jetzt mal außen vor.
Haken des Ganzen: EF-Linsen passen mit Adapter an RF-Kameras, aber nicht umgedreht. Für RF-Linsen führt kein Weg an nem RF-Body vorbei. Allerdings bieten da aktuelle Modelle gegenüber Deiner 2000D auch einige Vorteile, gerade beim Thema AF und Rauschverhalten. DSLMs sind da ein echter Gamechanger. Ich habe den Wechsel keine Minute bereut.
Kamerabedienung: Du nutzt oft das Sportprogramm. Warum? ich mag die Motivprogramme nicht. Man muss sich zu sehr auf unklare Kameralogiken verlassen. Im Endeffekt braucht man Zeit, Blende, ISO. Deren Wirkungen und Zusammenhänge muss man verstanden haben und dahingehend die Kamera am Besten blind bedienen können. Dann muss man auch nicht überlegen, welche Automatik jetzt was macht und am Besten passen könnte. Die Motivprogramme regeln dann auch nur Zeit, Blende und ISO...
Viel Input. Sicher könnte man noch viel mehr sagen bzw. bequatschen. Ich geh jetzt trotzdem erst mal ins Bett...
Viele Grüße Uwe