11.05.2026, 11:23   #1

Ukrainehilfe

Weiterführung der Diskussion zum von Manfred Hopp gelöschtem Foto

Wie zu erwarten, hat Manfred Hopp sein Foto gelöscht. Daher hatte ich die Seite rechtzeitig gespeichert:



Manfred Hopp
Wir müssen uns erst um die Brücken in der Ukraine kümmern. Zum Dank sprengen die uns dafür die Gasleitungen in die Luft. Es ist wirklich ein Trauerspiel, was die gutbezahlten, ungelernten Hilfkräfte in Berlin verzapfen. Was uns in Zukunft erwartet, kann man an dem Herrn Philipp Amthor sehen. Es wird auf keinen Fall besser.
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Stimme der Vernunft
Das ist sehr kurz gedacht.

Natürlich brauchen unsere Brücken Geld. Niemand bestreitet das. Aber Politik funktioniert eben nun mal nicht wie ein Haushaltsheft, in dem man einfach sagt: "Entweder Brücken hier oder Hilfe dort" Die eigentliche Frage, die sich ein logisch denkender Mensch dabei stellt ist ein andere: Was kostet welches Handeln langfristig?

Wenn wir der Ukraine helfen, dann geht es nicht darum, irgendwo aus Nettigkeit unser Geld zu verteilen. Es geht darum, Russland dort aufzuhalten, wo Russland gerade den Krieg gegen Europa führt. Jeder Kilometer, den Putins Armee dort nicht weiterkommt, ist ein Kilometer weniger Bedrohung für Europa. Das ist keine romantische Solidaritätsgeste, sondern nüchternes Eigeninteresse und reine Logik.

Kurz gedacht heißt: Wir reparieren heute unsere Brücken und sparen an der Ukraine und zahlen später dann mit enormen Kriegskosten gegen Russland.

Lang gedacht heißt: Wir helfen der Ukraine, Russland zu stoppen, damit wir später nicht viel mehr Geld, Material und im schlimmsten Fall sogar eigene Soldaten einsetzen müssen. Denn wenn Russland mit Gewalt Erfolg hat, wird es dadurch nicht friedlicher, sondern es wird mit seinem Plan ermutigt weiter zu machen. Dann zahlen wir nicht nur mit Beton und Stahl, sondern möglicherweise mit Menschenleben, Ausrüstung und einer deutlich unsichereren Zukunft in Europa.

Auch der Satz mit den Gasleitungen ist so nicht sauber argumentiert. Er unterstellt erstens pauschal eine Schuld, als wäre das abschließend bewiesen und politisch eindeutig zurechenbar. Das ist eindeutig nicht der Fall. Und zweitens macht er daraus eine Art Tauschgeschäft: "Wir helfen euch, also dürft ihr uns nie schaden." So funktioniert Sicherheitspolitik aber nicht. Man bewertet nicht nach Kränkung, sondern nach Folgen. Die entscheidende Frage bleibt: Schwächt unsere Hilfe einen Angreifer, der Europa bedroht, oder stärkt unser Energiekauf bei Russland genau diesen Angreifer?

Und da wird es ziemlich eindeutig: Wer fordert, die Unterstützung einzustellen, muss auch ehrlich sagen, was die Alternative wäre. Wäre es dir lieber, wir würden Putins Kriegsmaschine weiter mit unserem Geld stützen, damit sie weiter nach Europa vorrücken, Menschen töten, Städte zerstören und Länder unterwerfen kann?

Das ist der Punkt: Es geht nicht darum, ob uns Brücken wichtig sind. Natürlich sind sie wichtig. Es geht darum, ob wir begreifen, dass kaputte Brücken teuer sind, ein größerer Krieg in Europa aber ungleich teurer wäre. Wer nur auf die Rechnung von heute schaut, übersieht die Rechnung von morgen.

Und genau deshalb ist dieses kurze populistische Denken so grundgefährlich. Es klingt im ersten Moment einfach, bequem und volksnah, ist aber in Wahrheit keine kluge Analyse, sondern eine Denkabkürzung. Populisten nutzen genau das aus: Sie bieten scheinbar einfache Antworten auf komplizierte Fragen, weil sie wissen, dass viele Menschen entweder nicht tiefer denken können oder nicht tiefer denken wollen. Wer so argumentiert, verteidigt nicht unsere Brücken, sondern macht sich zum Werkzeug derjenigen, die von politischer Kurzsichtigkeit leben.

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Manfred Hopp Geistiger Dünnschiss!
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Stimme der Vernunft
"Geistiger Dünnschiss" ist keine Widerlegung, sondern eine geistige Kapitulation mit Geräuschkulisse.

Du hast auf kein einziges Argument geantwortet. Nicht auf die langfristigen Kosten. Nicht auf die sicherheitspolitische Frage. Nicht auf die Alternative, die du indirekt forderst. Nicht darauf, was passiert, wenn Russland mit Gewalt Erfolg hat. Stattdessen kommt ein persönlicher Angriff auf unterstem Niveau. Das ist der klassische Ausweg, wenn man inhaltlich nichts mehr in der Hand hat: Man beschimpft die Aussage, weil man sie nicht entkräften kann.

Genau daran erkennt man den Unterschied zwischen Meinung und Stammtischreflex. Eine Meinung kann man begründen. Ein Reflex braucht nur ein Schlagwort.

Und ja, genau solche Reaktionen sind der fruchtbare Boden, auf dem Rechtspopulismus wächst. Nicht weil jemand kritisch fragt — kritische Fragen sind völlig in Ordnung. Sondern weil komplexe Zusammenhänge auf einen einfachen Wutsatz zusammengestampft werden. "Unsere Brücken!" klingt greifbar. "Ukraine kostet uns Geld!“" klingt bequem. "Gasleitungen!" klingt nach Empörung. Aber daraus entsteht noch kein tragfähiger Gedanke.

Populisten leben davon, einfachen Menschen einfache Erklärungen für schwierige Probleme hinzulegen. Sie liefern ein fertiges Feindbild, ein bisschen gekränkten Stolz und den angenehmen Eindruck, man habe etwas durchschaut, obwohl man in Wirklichkeit nur übernommen hat, was ins eigene frustrierte Weltbild passt. Alles, was dieses Bild stört, wird dann nicht geprüft, sondern weggewischt. Genau das hast du hier gerade eindrucksvoll vorgeführt.

Wenn meine Argumentation falsch ist, dann widerlege sie. Zeig, warum es langfristig billiger und sicherer wäre, Russland gewähren zu lassen. Zeig, warum ein Aggressor, der mit Krieg Erfolg hat, danach plötzlich ungefährlicher für Europa sein soll. Zeig, warum wir heute an der Ukraine sparen sollten, wenn uns das morgen deutlich mehr Geld, Material und im Ernstfall Menschenleben kosten kann.

Aber "geistiger Dünnschiss" zeigt nur eines: Du hast keine Antwort darauf. Du hast lediglich eine Beleidigung als Ersatz für logisches Denken benutzt. Das mag am Stammtisch kurz Beifall bringen. In einer sachlichen Diskussion ist es eine Bankrotterklärung. 😉

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Ulf Simon
@ Stimme der Vernunft: Zunächst sind Deine Argumente mal logisch plausibel. Aber Du machst denselben Fehler, den Du anderen vorwirfst: Du denkst zu kurz. Ukraine, Rußland, und Folgen: Militär funktioniert nicht mehr wie früher, Kriege sind asymmetrisch geworden. Bestes Beispiel ist die Ukraine, die dank Hightech sich so lange gegen das übermächtige Rußland halten kann. Man braucht heute nicht mehr hunderttausende Soldaten als Kanonenfutter. Sondern bestens ausgebildete Spezialisten als Koordinatoren von voll"robotischem" Kriegsgerät, für wirklich fähige Geheimdienste (wie zB Mossad), zur Störung feindlicher Kommunikations- und Steuerungsnetzwerke etc etc. Natürlich kosten die deutlich mehr Sold und sind auch deutlich schwerer ersetzbar nicht, wie der Churchill zugeschriebene zynische Satz "Der Mensch ist die einzige Ware, die von ungelerntem Personal mittelfristig in größerer Menge reproduzierbar ist") Abe die Infrastruktur wird deutlich billiger, weniger Kasernen, da ohnehin dzentral operiert wird, und auch geringere Materialkosten, eine Drohne für ein paar tausend Euronen kann einen millionenschweren Panzer vernichten, teure Kampfflugzeuge und Schiffe werden in großer Zahl obsolet. Thema Putin: Er ist der einzige Psychopath mit zuviel Macht. Verteidigung muß in alle Richtungen funktionieren. D allein ist zu unbedeutend um das zu stemmen, aber nicht unbedeutend genug, um keine Begehrlichkeiten zu erwecken, und auf Militär ganz zu verzichten (wie Costa Rica, für mich ein potenzielles Auswanderungsziel). Das einzig Vernünftige wäre eine deutliche Stärkung von Europa, eine Art "Vereinigte Staaten von Europa" mit gemeinsamer Verteidigungs-, Wirtschafts-, Finanz- und Umweltpolitik. Die jetzigen Nationalregierungen großer Staaten in Regionen etwa der Größe unserer Bundesländer aufteilen, mit entsprechenden regionalen Kompetenzen, auch diese vergleichbar den Bundesländern oder schweizer Kantonen. Ich hier in Südbaden sehe in der Mentalität mehr Gemeinsamkeiten mit dem Elsaß oder den nordwestschweizer Kantonen, als mit Berlin und Preußen. Und last not least: Zum Thema Abhängigkeit von fossiler Energie (incl. Uran) hatte ich mich schon geäußert.
11.05.2026, 11:25   #2
@Ulf Simon

Du hast an mehreren Stellen die völlig richtige Gedanken, aber genau deshalb ist dein Einwand gegen meine Argumentation nicht wirklich ein Einwand. Du widersprichst mir nämlich in der Sache kaum, sondern verschiebst lediglich den Schwerpunkt und unterstellst mir dabei, ich hätte moderne Kriegsführung nicht mitbedacht. Das ist aber nicht der Fall.

Natürlich funktioniert Krieg heute nicht mehr wie damals. Drohnen, Satellitenaufklärung, elektronische Kriegsführung, Cyberangriffe, Störung von Kommunikationsnetzen, Geheimdienstoperationen, dezentrale Einheiten und präzise Waffen verändern Kriege massiv. Nur widerlegt das mein Argument nicht, sondern bestätigt es sogar.

Denn gerade weil moderne Kriege asymmetrischer, technischer und vernetzter geworden sind, ist es umso wichtiger, einen aggressiven Staat früh zu stoppen, statt ihn lernen, testen, aufrüsten und seine Methoden perfektionieren zu lassen. Russland führt in der Ukraine nicht nur einen klassischen Landkrieg mit Artillerie und Panzern, sondern sammelt dort auch praktische Erfahrung mit Drohnen, elektronischer Kriegsführung, Cyberoperationen, Desinformation, Energieerpressung und industrieller Kriegsproduktion. Wer daraus schließt, die Bedrohung werde dadurch billiger und harmloser, denkt nicht länger, sondern an der falschen Stelle vorbei.

Auch das Argument "eine billige Drohne kann einen teuren Panzer zerstören" ist richtig, aber es trägt nicht die Schlussfolgerung, dass Verteidigung insgesamt billig wird. Eine Drohne kostet vielleicht nur ein paar tausend Euro. Aber das System dahinter kostet nicht ein paar tausend Euro: Aufklärung, Datenverarbeitung, Satelliten, Funknetze, elektronische Abwehr, Ausbildung, Software, Logistik, Munitionsnachschub, Produktionskapazitäten, Schutz gegen gegnerische Störsender und die Fähigkeit, das Ganze auch unter Beschuss am Laufen zu halten. Der billige Flugkörper ist nur die sichtbare Spitze eines sehr teuren technischen und organisatorischen Eisbergs.

Und genau hier liegt der nächste Punkt: Moderne Technik macht Krieg nicht billiger, sie verschiebt nur die Kosten. Wenn ein Panzer durch eine billige Drohne ersetzt werden kann, gibt ein Staat nicht plötzlich weniger für Krieg aus. Er baut dann nicht eine Drohne statt eines Panzers, sondern Hunderttausende oder Millionen Drohnen, plus Steuerung, Aufklärung, Störtechnik, Abwehrsysteme, Software, Produktion und Nachschub. Krieg war noch nie so teuer, wie ein einzelnes Waffensystem kostet. Krieg ist immer so teuer, wie viel ein Angreifer bereit und fähig ist hineinzupumpen. Die Technik ändert nur, wohin das Geld fließt – nicht die Logik und somit die Menge der Aufrüstung.

Ebenso stimmt es, dass man heute nicht mehr nur hunderttausende Soldaten als Kanonenfutter braucht. Aber daraus folgt nicht, dass Soldaten plötzlich nebensächlich werden. Die Ukraine zeigt gerade das Gegenteil: Moderne Technik ist entscheidend, aber sie ersetzt nicht vollständig Menschen, Gelände, Versorgung, Durchhaltefähigkeit und Masse. Drohnen gewinnen keine Städte allein. Elektronische Kriegsführung hält keine Frontlinie allein. Spezialisten sind wertvoller, aber gerade deshalb sind sie schwerer zu ersetzen. Auch das macht einen Krieg nicht harmloser, sondern im Gegenteil, er wird riskanter.

Der eigentliche Denkfehler liegt also hier: Du beschreibst zutreffend, dass Kriege moderner geworden sind, behandelst das aber so, als würde es die strategische Grundfrage verändern. Die Grundfrage bleibt: Ist es für Europa besser, wenn Russland in der Ukraine gestoppt wird, oder wenn Russland dort Erfolg hat und daraus den Schluss zieht, dass militärische Gewalt funktioniert?

Meine Antwort bleibt: Es ist für uns langfristig billiger, sicherer und politisch klüger, die Ukraine jetzt zu unterstützen, als später einen stärkeren, erfahreneren und ermutigten Aggressor vor uns zu haben. Ob dieser Aggressor dann mit Panzern, Drohnen, Cyberangriffen, Energieerpressung oder Desinformation arbeitet, ändert nichts am Kern. Es macht den Kern sogar noch ernster.

Auch bei Putin greift dein Einwand zu kurz. Ja, Putin ist nicht die einzige Gefahr auf der Welt. Verteidigung muss selbstverständlich in mehrere Richtungen funktionieren. Aber daraus folgt doch nicht, dass man die konkrete Gefahr vor der eigenen Haustür relativieren sollte. Wenn das Haus an einer Seite brennt, sagt man ja auch nicht: "Wir müssen Brandschutz grundsätzlich in alle Richtungen denken", und lässt deshalb diese Seite weiterbrennen. Man löscht den Brand, der gerade real da ist, und baut danach den Brandschutz insgesamt besser auf.

Dein Gedanke einer stärkeren europäischen Struktur, gemeinsamer Verteidigungs-, Wirtschafts-, Finanz- und Umweltpolitik ist im Prinzip sogar genau die langfristige Ebene, die ich meine. Ein geeinteres Europa wäre strategisch stärker als ein Flickenteppich nationaler Egoismen. Deutschland allein ist zu klein, um Weltmachtpolitik zu spielen, aber zu groß und zu wohlhabend, um sich aus Machtfragen herauszuhalten. Deshalb braucht es europäische Handlungsfähigkeit. Aber auch das widerspricht der Ukraine-Hilfe nicht. Im Gegenteil: Die Unterstützung der Ukraine ist ein praktischer Test, ob Europa überhaupt bereit ist, seine eigene Sicherheit ernst zu nehmen.

Der Hinweis auf Costa Rica klingt sympathisch, ist mit Europa aber nicht vergleichbar. Costa Rica kann sich seinen Sonderweg auch deshalb leisten, weil es in einem völlig anderen geopolitischen Umfeld liegt und indirekt von Sicherheitsstrukturen profitiert, die andere bereitstellen. Mitten in Europa, neben einem aggressiven Russland, lässt sich dieses Modell nicht so einfach übertragen. Das wäre keine Friedenspolitik, sondern eine Auslagerung der eigenen Sicherheit an andere -und das hatten wir ja schon.

Auch deine regionale Idee – Südbaden, Elsass, Nordwestschweiz, mehr Nähe in Mentalität als zu Berlin oder Preußen – kann man kulturell gut nachvollziehen. Aber Mentalität ersetzt eben keine Verteidigungsfähigkeit. Ein russischer Machtapparat interessiert sich nicht dafür, ob Südbaden kulturell näher an Basel oder an Berlin liegt. Sicherheitspolitik richtet sich nicht nach gefühlter regionaler Sympathie, sondern nach Macht, Bündnissen, Infrastruktur, Abschreckung und Handlungsfähigkeit.

Und zum Thema fossile Energie und Uran: Auch da sind wir wieder nicht weit auseinander. Abhängigkeiten von fossilen Energien waren und sind ein massives strategisches Problem. Wer sich von autoritären Staaten abhängig macht, bezahlt irgendwann nicht nur mit Geld, sondern mit politischer Erpressbarkeit. Aber auch das stärkt mein Argument: Russland wurde gerade durch europäische Energieabhängigkeit lange mitfinanziert. Wer daraus lernen will, muss Abhängigkeiten abbauen und gleichzeitig verhindern, dass ein solcher Staat seine Macht militärisch weiter ausdehnt.

Unterm Strich sehe ich also keinen echten Widerspruch zu meiner Position. Du sagst: Kriege sind moderner, asymmetrischer und technischer geworden. Richtig. Du sagst: Europa muss stärker, gemeinsamer und unabhängiger werden. Richtig. Du sagst: Verteidigung darf nicht nur national gedacht werden. Ebenfalls richtig.

Nur folgt daraus nicht, dass meine Argumentation "zu kurz" war. Es folgt daraus eher, dass sie auf einer zweiten Ebene noch stärker wird. Denn wenn moderne Bedrohungen komplexer, schneller und schwerer kontrollierbar werden, dann ist es erst recht kurzsichtig, einen aggressiven Staat in Europa gewähren zu lassen und zu hoffen, dass uns das später weniger kostet.

Der Denkfehler besteht also nicht darin, moderne Kriegsführung zu übersehen. Der Denkfehler besteht darin, moderne Kriegsführung so darzustellen, als würde sie die alte strategische Wahrheit aufheben: Einen Aggressor früh zu stoppen ist immer billiger, als ihn später größer, erfahrener und selbstbewusster stoppen zu müssen.
11.05.2026, 11:42   #3

Hobbyfotograf

Aha , ich weiß mal wieder genau Bescheid.
11.05.2026, 11:46   #4
@Malte Donez:
Ich weiß leider nicht was genau Du mit diesem kurzen Satz zu diesem Thema beitragen möchtest.
11.05.2026, 12:40   #5

Hobbyfotograf

@Stimme der Vernunft: Kosten: Da ist Deine Argumentation prinzipiell richtig, nur hat das unsere Regierung noch nicht kapiert: Da wird nur Rheinmetall und Ähnliches auf Steuerzahlers Kosten subventioniert, und die veraltete Militärtechnik wird "heiß entsorgt". Echte Fortschritte in der Verteidigungspolitik sehe ich nicht.
Rußland, und evtl. auch andere: Vielleicht sollte man da auch mal wieder an Persien im 11.JH. denken. Die Methode des Hassan i Sabbah war sehr effizient, sehr kostengünstig, und ist von der Technik her durchaus modernisierbar, wie zB das militärische Vorgehen Israels VOR Benji's Überschnappen wirksam demonstriert hat.
Ukraine: sollte selbstverständlich unterstützt werden, aber nicht auf Kosten der Infrastruktur bei uns. Auch bei dieser Unterstützung hat unsere Regierung vor allem das Wachstum unserer Rüstungsindustrie im Blick. Es gibt da mit Sicherheit effizientere Möglichkeiten.
11.05.2026, 15:54   #6
Der Satz "Ukraine unterstützen, aber nicht auf Kosten der Infrastruktur bei uns" zeigt genau den Denkfehler, um den es hier die ganze Zeit geht: Du behandelst die Ukraine-Hilfe so, als wäre sie ein fremder Wohltätigkeitsposten, der mit unseren Interessen konkurriert. Das ist sie nicht.

Ein einfaches Beispiel:
Wenn dein Dach undicht ist und gleichzeitig jemand versucht, deine Haustür aufzubrechen, dann sagst du doch auch nicht: "Ich würde mich um die Haustür kümmern, aber nicht auf Kosten des Dachs." Natürlich muss das Dach repariert werden. Aber wenn du den Einbrecher nicht stoppst, brauchst du dir über das Dach bald keine Gedanken mehr zu machen. Sicherheit ist nicht der Luxus, der nach der Infrastruktur kommt. Sicherheit ist die Voraussetzung dafür, dass Infrastruktur überhaupt geschützt, genutzt und langfristig geplant werden kann. Genau deshalb ist "Brücken oder Ukraine" eine falsche Gegenüberstellung.

Die eigentliche Frage lautet nicht: Geben wir Geld für die Ukraine oder für uns aus? Die Frage lautet: Geben wir heute Geld aus, um eine größere Bedrohung von Europa fernzuhalten, oder zahlen wir später wesentlich mehr, wenn diese Bedrohung näher, stärker und erfahrener geworden ist?

Dass unsere Regierung dabei vieles schwerfällig, industriegetrieben oder ineffizient macht, kann man kritisieren. Da bin ich sofort dabei. Aber schlechte Umsetzung widerlegt nicht die strategische Notwendigkeit. Wenn ein Feuerwehrwagen schlecht organisiert ausrückt, ist daraus nicht zu schließen, dass man den Brand besser brennen lassen sollte.

Auch der Hinweis auf alte oder moderne asymmetrische Methoden ändert daran nichts. Einzelne "kostengünstige" Mittel können Wirkung entfalten, aber sie ersetzen keine Gesamtverteidigung eines Landes und keine europäische Sicherheitsordnung. Geheimdienste, Spezialoperationen, Drohnen, Cyberabwehr, klassische Abschreckung, industrielle Produktionsfähigkeit und stabile Infrastruktur gehören zusammen. Wer nur einen Baustein herausgreift und daraus eine Lösung macht, verkürzt das Problem.

Kurz gesagt: Ja, wir müssen unsere Infrastruktur sanieren. Ja, wir müssen Rüstungsausgaben kontrollieren und effizienter einsetzen. Ja, Europa braucht eine bessere Sicherheitsarchitektur. Aber daraus folgt nicht, dass die Ukraine-Hilfe ein Gegensatz zu unserem Nutzen wäre. Sie ist Teil unseres Nutzens. Wer das trennt, denkt zu kurz und schaut auf eine einzelne Rechnung statt auf die Gesamtkosten eines unsicheren Europas.
11.05.2026, 16:17   #7

Hobbyfotograf

@Stimme der Vernunft: Wir haben bei der Analyse des Problems grundsätzlich unterschiedliche Ansichten. Putin ist nicht Russland, und hat auch nicht das ewige Leben. Und der Nutzen für uns? da muß man erst mal "wir" genauer definieren. Deine Methode der Panikmache nützt bestimmten Kreisen in D und teilweise auch in Europa mehr, als eine analytische Herangehensweise. Und es gibt in diesem Lande auch vvieles, was von der Wirtschaft höchstselbst verbockt wurde, und jetzt von Staats wegen gepäppelt wird, under dem Vorwand, ein paar Arbeitsplätzchen zu erhalten. Da ist Einsparpotenzial zur Genüge, dann braucht man keine Sonderschulden, pardon, Sondervermögen. Too big to fail darf es nicht geben. Das Feuerwehrbild hinkt gewaltig.
11.05.2026, 16:46   #8
Nachdem ich nun alle Punkte logisch und analytisch dargelegt habe, hast Du die Diskussionstechnik gewechselt, statt meine Argumente zu widerlegen.

Du sagst, das Feuerwehrbild hinke "gewaltig" – kannst aber nicht begründen, worin genau der Denkfehler liegen soll. Das ist keine Widerlegung, sondern nur ein Etikett. Ein Vergleich muss nicht in jedem Detail identisch sein. Er muss den entscheidenden Zusammenhang sichtbar machen. Und der ist hier klar: Wenn eine akute Gefahr besteht, kann man über Kosten, Organisation und Effizienz streiten – aber nicht so tun, als sei das Löschen selbst der Fehler.

Du unterstellst mir "Panikmache". Auch das ist kein Argument, sondern eine Abwertung. Eine Bedrohung zu analysieren und zu benennen, ist keine Panik. Panik wäre kopfloses Reagieren. Hier geht es aber gerade um das Gegenteil: um die nüchterne Frage, ob es für Europa günstiger und sicherer ist, einen Aggressor früh zu stoppen, oder später mit einem stärkeren Problem konfrontiert zu werden. Wenn du das "Panikmache statt analytische Herangehensweise" nennst, projizierst Du lediglich dein eigenes Verhalten.

Und dein "Wer ist wir?" ist ebenfalls keine tiefere Analyse, sondern ein Ausweichmanöver, sobald es konkret wird. Natürlich kann man "wir" philosophisch zerlegen. Aber in diesem Zusammenhang ist völlig klar, worum es geht: um die Menschen in Deutschland und Europa, die von Sicherheit, Infrastruktur, Energieversorgung, stabilen Grenzen und politischer Handlungsfähigkeit abhängig sind. Das künstlich zu vernebeln, bringt die Sache keinen Millimeter weiter.

Genau das ist der Punkt:
Du wirfst mir vor, nicht analytisch zu denken, arbeitest aber selbst mit den typischen Abkürzungen populistischer Argumentation: "Panikmache", "bestimmte Kreise profitieren", "wer ist wir?', 'der Vergleich hink'. Das klingt kritisch, es sind aber nur oberflächliche Floskeln ohne Substanz. Das ersetzt keine Gegenrechnung, keine strategische Alternative und keine Antwort auf die Kernfrage. Die Kernfrage lautet weiterhin: Was ist langfristig billiger und sicherer für Europa – die Ukraine jetzt zu unterstützen, oder Russland militärisch und politisch Erfolg haben zu lassen? Solange darauf keine klare Antwort kommt, reden wir nicht über unterschiedliche Analyse, sondern darüber, dass du die eigentliche Frage vermeidest.
11.05.2026, 17:09   #9

Hobbyfotograf

@Stimme der Vernunft: zum ersten Punkt: Präzisierung: ich sehe die Gefahr, aber nicht so akut wie Du. Ich sehe da zeitlich noch mehr Handlungsspielraum, ohne jetzt gleich in Aktionismus zu verfallen. Den Agressor "früh zu stoppen" hat man verschlafen, nicht zuletzt, durch Unterschätzung desselben. Ich bin auch keineswegs gegen sinnvolle Maßnahmen, auch teure, aber erst NACH einer detaillierteren Analyse, auch was die Finanzierung angeht. Und Aktionismus auf Basis unzureichender Planung grenzt für mich an Panikmache, damit mobilisiert man keine demokratische Mehrheit, sondern polarisiert weiter. Ich mahne lediglich mehr Besonnenheit an.
"worum es geht: um die Menschen in Deutschland und Europa, die von Sicherheit, Infrastruktur, Energieversorgung, stabilen Grenzen und politischer Handlungsfähigkeit abhängig sind." Das sind viele verschiedene Aspekte: Sicherheit ist ein abstrakter Begriff, Sicherheit gibt es in keinem Staat auf diesem Planeten. Infrastruktur nützt allen, Energieversorgung differenziert schon deutlich: Sinnvolle Maßnahmen zur Energieeinsparung werden verschleppt, weil davon bestimmte Kreise profitieren, ebenso werden technisch machbare Lösungen aus demselben Grunde behindert. Auch das deutliche Einschränken fossiler Energieträger schwächt Russland (und auch andere Spinner). Stabile Grenzen kann man nicht militärisch definieren, oder allenfalls auf Zeit, wie das Beispiel Ukraine deutlich zeigt, aber auch Anwandlungen an sich demokratischer Staaten, wie Israel, sein territorium völkerrechtswidrig zu erweitern. Auch Donalds Grönland-, Kuba- und Panamaphantasien deuten in diese Richtung. Und politische Handlungsfähigkeit? Das wird schon im Inland deutlich unterschiedlich definiert....Da gibt es insgesamt keine homogene Interessenlage, daher meine Frage nach "Wer ist wir"
Ich werfe Dir keineswegs vor, nicht analytisch zu denken - das zeigt schon diese kleine Diskussion. Wir sind auch nicht so weit voneinander entfernt, nur sehe ich keine endgültig gesetzte Prioritätenliste. Mir fehlen da einfach noch ein paar Aspekte.
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